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ALASKA MIDNIGHT SUN ULTRA CHALLENGEBilder

Anfang 2002 las ich im Internet einen kleinen Artikel über das angeblich längste und härteste Handbike- und Rennrollstuhlrennen der Welt in Alaska. Es sollte 6 Tage dauern und von Fairbanks nach Anchorage gehen. Nach dem ich mir den Artikel durchgelesen habe, lies mich der Gedanke nicht mehr los, genau an diesem Rennen teil zu nehmen. Jetzt ging es um die Planung des Ganzen. Ich nahm Kontakt mit dem Veranstalter in Alaska auf und fragte erst mal, ob ich überhaupt als hoher Tetra (C5) an diesem Rennen teilnehmen könne, und die sagten mir dann, "Versuchen kann es jeder". Also habe ich mich im Oktober `02 angemeldet und ab da gab es für mich kein Zurück mehr.

Als ich im November mit dem Training begonnen hatte, wusste ich schon, dass ich diese Saison nur dieses eine Rennen fahren werde und habe meinen Trainingsplan nur auf dieses Ereignis ausgelegt. Mir kam es also nicht darauf an besondere Sprintrekorde aufzustellen, sondern Ausdauer war gefragt. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich bei dem Rennen bis zu 8 Stunden am Tag im Rad sitzen werde, also musste ich ein sehr gutes Grundlagentraining machen. Ich fuhr von November bis Februar 4-5 mal die Woche auf der Rolle und Ende Februar ging es dann für 2 Wochen nach Mallorca, um sich wieder daran zu gewöhnen im Freien zu fahren. Einen Tag zuvor wurde ich leider krank und lag auf "Malle" erst mal eine Woche im Bett, während die anderen fleißig trainierten. Die zweite Woche konnte ich dann endlich mitfahren. Wieder zu Hause, steigerte ich dann die Umfänge der Einheiten. Von Anfänglich 3-4 Stunden pro Einheit waren es dann Anfang Juni 4-6 Stunden pro Einheit.

Am 15.07.03 ging es dann endlich los nach Alaska. Auf den Flug hätte ich gerne verzichtet. Die reine Flugzeit betrug 15 Stunden ohne die 4 Stunden Aufenthalt beim Zwischenstop in Chicago. Am 17.07.03 trafen wir dann die anderen Fahrer und unsere Volunteers in Anchorage. An diesem Tag wurde uns dann alles Wichtige über das Rennen erzählt. Wir bekamen unsere Volunteers zugeteilt und unsere Begleitfahrzeuge. Am 18.07.03 machten wir uns dann mit 25 Autos auf den Weg nach Fairbanks, dort war der Start. Wir waren 16 Handbiker, 3 Handbikerinnen , 4 Rennrollstuhlfahrer und 50 Volunteers.
Am 19.07.03 war es endlich so weit. An diesem Tag startete die 19. Midnight Sun Ultra Challenge in Alaska und ich war dabei. Ich fühlte mich erstaunlich gut und auch das Wetter war gigantisch. Um 9:30 Uhr ging es an den Start.

Erste Etappe: Länge: 39 Meilen Meine Zeit: 5:02:54
Die erste Etappe führte durch das Hinterland von Fairbanks und war sehr bergig. Dazu kam noch die Hitze. Ich dachte nicht, dass ich in Alaska damit Probleme haben würde aber es war tatsächlich fast 30°C und damit hatte ich als Tetra ganz schön zu kämpfen. Dank meiner beiden Helferinnen Katha und Pam war es aber einigermaßen erträglich. Sie versorgten mich mit reichlich Wasser zum Trinken aber auch zur Kühlung. Normalerweise war es dank der Streckenposten unmöglich sich zu verfahren, aber ich habe es trotzdem geschafft. Nach einem ziemlich langen Anstieg ging es plötzlich rechts ab und ich fragte mein Team, ob wir da lang müssten und sie bejahten es. Es folgte eine wunderschöne Abfahrt bis ich aus meinem Begleitfahrzeug hörte, dass wir falsch sind. Ich ging also sofort in die Eisen, drehte um und musste den ganzen Berg wieder rauf. Das kostete mich mehr als 10 Minuten. Das ist mir zum Glück nur einmal passiert.

Zweite Etappe: Länge: 48 Meilen Meine Zeit: 6:52:55
Die zweite Etappe war auch wieder sehr bergig und es war genau so heiß wie am Vortag. An diesem Tag wusste ich mittlerweile, was die hier unter “bergig” verstehen. Anstiege von 5-6 Kilometer Länge waren keine Seltenheit und immer, wenn man dachte, hinter der nächsten Kurve geht es bergab, kam noch ein Berg und noch einer und noch einer. Aber es gab auch gigantische Abfahrten. 65 bis 70 km/h waren da schon drin. Am Anfang machte ich mir noch Gedanken über Schlaglöcher in der Strasse, aber mit der Zeit verdrängte ich das und gab weiter Gas.

Dritte Etappe: Länge: 55 Meilen Meine Zeit: 5:26:08
Die dritte Etappe war die längste Etappe. Das Profil der Strecke war sehr wellig aber bei weitem nicht mehr so steil wie die beiden Tage zuvor. Dafür hatten wir an diesem Tag typisches Alaska Wetter, es regnete ununterbrochen während des ganzen Rennens. Das war aber besser als die Hitze und die ersten 4 Stunden fühlte ich mich auch ganz wohl, aber irgendwann weichten auch die besten Regenklamotten durch. Da ich kein Schutzblech am Rad hatte spritze mir ununterbrochen jede Menge Wasser ins Gesicht und in den Nacken. Irgendwann war mir das aber auch egal. Unangenehm waren dann eigentlich nur noch längere Abfahrten, da es durch den Fahrtwind sehr kalt wurde. Das Beste an diesem Tag war, dass ich nicht Letzter wurde. Ich habe einen Para (einen Japaner) abgehängt (Ein tolles Gefühl)!!!!!!

Vierte Etappe: Länge: 42 Meilen Meine Zeit: 5:57:33
Die vierte Etappe war wieder wellig mit ein bis zwei längeren Anstiegen. Welliges Profil hat den Nachteil, dass man nur sehr schwer einen Rhythmus findet, denn kaum hat man sich an einen Anstieg gewöhnt, geht es auch schon wieder bergab. Da fährt man natürlich wieder in einer ganz anderen Frequenz wie zuvor an der Steigung. An diesem Tag war gutes Wetter zum Fahren, bewölkt aber kein Regen. Auf der Strecke kam dann aber schnell das nächste, was man als Handbiker nicht gebrauchen kann: Gegenwind ohne Ende. Aber dafür, dass ich schon drei sehr schwere Etappen hinter mir hatte, lief es erstaunlich gut. Ich war auch an diesem Tag nicht Letzter (Jubel).

Fünfte Etappe: Länge: 31 Meilen Meine Zeit: 3:43:13
Bei der fünften Etappe schien es am Start der perfekte Renntag zu werden. Die Sonne schien, aber es war nicht zu heiß. An diesem Tag hatte ich allerdings das erste mal Probleme. Die ersten Kilometer kam ich fast nicht vom Fleck. Ich kämpfte mich zwar noch mal an den Japaner heran, aber als der nächste Berg kam konnte ich nicht mehr mithalten und ich musste ihn davon fahren lassen. Als ich dann langsam warm wurde kam das nächste übel mit dem man in Alaska rechnen muss. Gut 15 Kilometer der Strecke waren mit dem übelsten Asphalt belegt, den man sich vorstellen kann. Der war so rau, dass man sich mit der Zeit echt Sorgen um sein Bike machte, ob denn alle Schrauben halten würden. Und das Gemeine an dieser Strecke war, dass man über dieses Stück 2 mal drüber musste, da es sich um einen Rundkurs handelte. Am Wendepunkt dachte ich also schon mit Grauen wieder an diesen Streckenabschnitt. Darüber, dass man auf diesem Teil der Strecke zu schnell wurde, brauchte man sich keine Gedanken zu machen, denn dieser Belag hat furchtbar gebremst, selbst bergab musste man noch kräftig in die Pedale hauen. Allerdings wurde man an diesem Tag durch eine wunderschöne Landschaft entschädigt. Die Strasse war gesäumt von wunderschönen Blumen und man hatte Dank des guten Wetters eine grandiose Sicht auf die Berge.

Sechste Etappe Länge: 8,5 Meilen Meine Zeit: 00:36:39
Die sechste Etappe war ein Einzelzeitfahren, was für mich eigentlich keinen Unterschied machte, da ich die anderen Etappen auch fast alle allein gefahren bin. An diesem Tag stimmte aber alles. Es war bewölkt, ohne Regen und die Strecke war komplett flach mit einem super Belag. Wir starteten im Abstand vom 2 Minuten und mein Ziel war, mich nicht von einem meinen Verfolgern überholen zu lassen. Ich war als erster dran und es lief gigantisch gut. Ich drehte mich immer wieder um, um zu sehen ob mir jemand auf der Fersen war, aber es war niemand zu sehen. Zirka 300 Meter vor dem Ziel schaffte es allerdings doch noch einer der Fahrer an mir vorbei zu ziehen. Aber ich war trotzdem sehr zufrieden mit meiner Leistung, denn ich hatte es geschafft das komplette Rennen ohne größere Zwischenfälle durchzuhalten.

Nach dem Rennen fuhren wir alle Zusammen im Bike bzw. im Rennrollstuhl, von der Polizei eskortiert und allen Begleitfahrzeugen im Schlepptau durch Anchorage. Da über das Rennen jeden Tag was in der Zeitung stand, wusste jeder in Anchorage wer wir waren und vor allem, was wir geleistet hatten und dementsprechend wurden wir auch gefeiert. Wir versammelten uns auf einem großen Platz Mitten in Anchorage, wo uns ein riesiger Empfang bereitet wurde. Mit Sekt, Musik und allem was dazugehörte. Während wir alle noch mal vorgestellt wurden, wurde mir das erste mal so richtig bewusst, was ich da eigentlich hinter mich gebracht habe, und wenn man sich während des Trainings und vor allem während des Rennens immer wieder fragt, warum man sich das eigentlich antut, dann sind es Momente wie diese, wo es einem dann bewusst wird. Dieses Gefühl, das man nach so einem Rennen hat, kann man nicht beschreiben das muss man selbst erleben.
Am Abend war dann noch ein riesiger Empfang mit allen Teilnehmer und vor allem mit den vielen freiwilligen Helfern, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre. Wir Fahrer konnten uns während des ganzen Rennens nur aufs Fahren konzentrieren und der Rest wurde uns abgenommen. Eine solche Organisation habe ich noch bei keinem Rennen vorher erlebt. Nun kam noch die Siegerehrung. Ich wurde zwar Letzter aber da es sich bei den anderen Teilnehmern nur um Paras und Amputierte handelte, stand das eigentlich schon von Anfang an fest. Allerdings wurde mir am Ende noch der “Larry Coutermarsh Award” für besondere sportliche Leistungen übergeben, da ich der erste hohe Tetra (C5) war, der dieses Rennen geschafft hatte. Ich hoffe, dass ich nicht der Letzte bleibe und dass sich endlich mehr Tetras für diesen Sport begeistern. Alles in allem kann ich sagen, dass ich ein besonderes Rennen gesucht habe und hier in Alaska habe ich es gefunden.